Was ist Kunst

Was ist Kunst – und wann wird sie Kunst?

Diese Frage beschäftigt mich gerade sehr.
Nicht theoretisch, sondern ganz praktisch, mit Stoffen in der Hand.

Vor kurzem war ich im Lettl Museum.
Die Bilder, die Texte dazu, die Geschichten -sie haben mich tief berührt.
Und gleichzeitig habe ich gemerkt:
Es nützt nichts wenn ein Werk beschrieben wird, wenn der Mensch davor etwas ganz anderes fühlt.

Vielleicht ist genau das der Punkt.

Ich glaube, Kunst beginnt nicht dort, wo etwas erklärt wird.
Sondern dort, wo etwas offen bleibt.

Wenn Beschreibungen nicht mehr tragen

Ich arbeite mit Stoffen.
Mit alten Vorhängen, gelebten Materialien, mit Textilien, die Zeit in sich tragen.
Oft werde ich gefragt, was ein Stück bedeutet, wofür es steht, was ich mir dabei gedacht habe.

Und immer öfter merke ich:
Das, was ich sagen könnte, ist nicht das was andere fühlen.
Ein Mensch sieht Wärme.
Ein anderer Verlust.
Ein dritter nur Stoff.

Und alles davon ist richtig.

Kunst entsteht nicht dadurch, dass alle dasselbe empfinden.
Sie entsteht dort, wo etwas in Bewegung gerät.

Wann wird etwas Kunst?

Nicht dann, wenn es perfekt ist.
Nicht dann, wenn es erklärt werden kann.
Nicht dann, wenn es jemandem gefällt.

Für mich wird etwas Kunst, wenn ich beim Arbeiten an einen Punkt komme, an dem ich nichts mehr hinzufügen muss.
Wenn ein Werk fertig ist, nicht weil es makellos ist, sondern weil es sich geschlossen anfühlt.
Ich korrigiere keine Zeit.
Ich arbeite mit ihr.

Die Sonnenverfärbungen bleiben sichtbar.
Die Nähte dürfen gesehen werden. Nicht aus Trotz, sondern aus Ehrlichkeit.

Sichtbare Handarbeit und der Wunsch nach „Sauberkeit“

Viele Menschen wollen es“ sauber „. Sie wollen, dass Nähte verschwinden, dass alles glatt ist, dass nichts irritiert.

Ich verstehe das.
Und gleichzeitig ist es nicht mein Weg.

Ich nutze selten Futter, weil ich meine Handarbeit zeigen will.
nicht als Demonstration, sondern als Spur.
Was man sieht, ist gemacht worden.
Was man nicht sieht, bleibt Idee.

Kunst muss für mich nicht beruhigen.
Sie darf fragen stellen.
Auch mir selbst.

Kunst als offener Raum

Im Museum habe ich gemerkt, wie schnell der Kopf voll wird.
Nicht, weil es zu viel war- sondern weil es genug war.

Kunst wirkt nicht linear.
Sie setzt sich fest, arbeitet nach, taucht später wieder auf.

Vielleicht ist das der größte Unterschied zu Dingen, die nur funktionieren sollen:
Kunst darf nachhallen.

Wo ich gerade stehe

Ich weiß noch nicht wie mein e Kunst „leben“ soll.
Ob sie klein bleibt.
Ob sie nur an bestimmten Orten auftaucht.
Ob sie einfach entsteht, ohne sich zu erklären.

Und vielleicht muss ich das gerade auch nicht wissen.

Im Moment reicht mir dieser Gedanke:

Kunst beginnt dort, wo ich aufhöre, sie festzulegen.
Wo ich arbeite, zuhöre, gehe – und Raum lasse.

Alles Weitere darf sich zeigen.

Meine Kunst darf getragen werden.
Aber sie muss es nicht.

Fühl dich inspiriert, Marija

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